Südkurier vom 19.02.2016

6. März 2016

Firma Frotteeland erfolgreich im Textilbereich

Thomas Gerspach aus Bad Säckingen gründet vor acht Jahren im Thurgau eine Weberei. In der Schweiz ist das Unternehmen Marktführer. Seit 2014 ist die Produktion im Wehra-Areal ansässig

Harte Zeiten hat die heimische Textilindustrie hinter sich. Die Teppichfabrik Wehra (Schließung 1992), die Textilveredelung Wehr (2002) und schließlich die Brennet (2013) – keiner der drei großen Wehrer Arbeitgeber der Textilindustrie hat den harten Wettbewerb der Globalisierung überlebt. Damit ging auch ein wichtiges Stück Wehrer Industriegeschichte zu Ende.

Und doch lebt die Textilindustrie in Wehr im Kleinen weiter. Seit gut einem Jahr rattern hinter den Mauern der früheren Teppichfabrik Wehra wieder die Webstühle. Thomas und Bettina Gerspach sind mit ihrer Firma Frotteeland ins Wehra-Areal gezogen und produzieren hier hochwertige Textilien, beispielsweise Bade- und Handtücher aus Frottee, die mit eingewebtem Logo als Werbeträger dienen.

Vor acht Jahren bekam der heute 54-jährige Thomas Gerspach die Chance seines Lebens: Der aus Bad Säckingen stammende Textiltechniker und seine Frau Bettina, eine gebürtige Wehrerin, bekamen das Angebot, die Weberei Tannegg im Schweizer Kanton Thurgau zu übernehmen. „Mit unseren speziellen Fähigkeiten haben wir eine Nische gefunden und sind heute in der Schweiz Marktführer“, sagt Gerspach nicht ohne Stolz. Für Krankenhäuser, Privatkliniken, Wellnesszentren, Altersheime, Therapiepraxen und Hotels produziert das Unternehmen Frotteewaren in individuellem Design. Aber auch Vereine, Firmen, Städte und andere Organisationen nutzen die Möglichkeit, ihr Logo oder ihren Schriftzug farbig oder reliefartig in Handtücher weben zu lassen. „Als vergleichsweise kleine Weberei können wir auch in kleineren Stückzahlen produzieren“, erklärt Gerspach den Wettbewerbsvorteil seiner Firma gegenüber den großen internationalen Textilherstellern.

Da ist eine Bestellung, wie jene aus Zürich, schon fast ein Großauftrag: 1800 Badetücher sollen für einen Weltrekordversuch hergestellt werden. Die Stadt will mit den Frotteetüchern das größte Badetücher-Mosaik der Welt erstellen und werbewirksam aus der Luft fotografieren. Um den deutschen Markt besser bedienen und zu wettbewerbsfähigen Bedingungen produzieren zu können, entschlossen sich Gerspachs 2014, ein zweites Standbein in Deutschland aufzubauen: Sie verlagerte die Produktion ins Wehra-Areal und baute hier ein neues achtköpfiges Team auf, das aus den in der Schweiz gefertigten und gefärbten Garnen die Frotteestoffe herstellt. „Wir sind jetzt anderthalb Jahre am Aufbau – und immer noch nicht ganz fertig“, sagt Gerspach, jedes einzelne Teil sei in der Schweiz abgebaut und in Wehr wieder aufgebaut worden. Gleichzeitig lief die Produktion weiter, denn Aufträge gibt es auf beiden Seiten des Rheines reichlich und auf kurze Lieferfristen legt Gerspach großen Wert.

In den nächsten Jahren soll das Unternehmen konsolidieren. „Wir müssen den Umzug erstmal verkraften. Danach möchte ich sukkzessive den Maschinenpark erneuern“, so Gerspach. Rund 250 000 Euro kostet ein Webstuhl, da stehen gewaltige Investitionen an. Auch wenn die Rahmenbedingungen für die Textilindustrie in Deutschland schwierig sind, in der Nische sieht er die Chance für sein Unternehmen. Für die Zukunft ist ihm nicht bange: „Ich bin ein Vollblut-Textiler, mir macht das Spaß.“

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